Spuren im Schnee Teil 2 – Der Rothirsch

Wer schon mal im Wald einen Rothirsch gesehen hat, kann wohl die Begeisterung nachvollziehen, die ich habe, wenn ich allein schon Spuren dieser majestätischen Tiere finde. Er ist das größte wildlebende Säugetier in Deutschland. Also außer im Auslandsurlaub werdet ihr kein größeres Tier in der Natur finden. Aber es ist sehr schwer, ihn zu Gesicht zu bekommen, da er sehr scheu ist. Ursprünglich ist er ein Steppenbewohner, der bei uns früher in Au- und Urstromwäldern zuhause war. Aber durch die Menschen und speziell die Jäger zog er sich in die Wälder zurück. In Waldgebieten, wo man auf eine schonende Jagd (kurze Jagdsaison, Ruhe im Revier) Wert legt oder in Wildparks werden sie zutraulicher und in Parks kann man sie sogar füttern. Rehe werden dagegen z.B. nie so zahm.Den Hirsch selbst wird man als Waldspaziergänger wohl selten zu Gesicht bekommen. Denn sobald sie uns bemerken, verschwinden sie im Dickicht.Ich finde es erstaunlich, wie sie es schaffen mit so einem langen, weitausladendem Geweih zwischen den jungen Buchen hindurch zu kommen. Ich hätte da schon mit einem anliegenden Rucksack Probleme. Wenn Die Hirsche ins Dickicht überwechseln legen sie den Kopf zurück. So gleiten wohl die Zweige an der runden Außenkante des Geweihs ab. Sie brechen dabei kaum dünne Zweige ab, aber wenn sie flüchten hörten man es doch deutlich knacken. Kein anderes Waldtier hört sich so an. Mit ein bisschen Übung weiß man dann: Das war ein Rothirsch. Auf dem Waldboden hinterlassen die Rudel dann auch deutliche Trampelpfade.Hirschkühe leben in weiblichen Rudeln mit ihren Kälbern zusammen. Die jungen Hirsche verlassen spätestens im dritten Jahr das Rudel und schließen sich einem männlichen Hirschrudel an. Alte Hirsche ziehen dann oft wieder allein oder mit einem Adjutanten (junger Beihirsch).Nur in der Brunft gibt es gemischte Rudel. Ein starker Hirsch sammelt sich einen Harem, das er ähnlich einem “Hirtehund” zusammenhält und führt. Als Platzhirsch verteidigt er es gegen seine Konkurrenten durch einen männlich herben Geruch, das Röhren (Brunftrufen) und Kämpfe. Der Höhepunkt solcher ritualisierten Kämpfe ist das Aneinanderschlagen der Geweihe, wobei sich die Hirsche auch forkeln, d.h. verletzen können. Nach der Brunft findet man schon mal den einen oder anderen Hirsch der an den Folgen solcher Verletzungen gestorben ist. Die Hirschbrunft ist ein imposantes Schauspiel, das jedes Jahr an den gleichen Orten stattfindet. Früh und abends während der Dämmerung kann man es miterleben.schalschaden.jpgschalschaden2.jpg

Rothirsche ernähren sich ausschließlich von pflanzlicher Nahrung, die zum größten Teil aus Gras und Kräutern besteht. Aber er frißt auch Feldfrüchte (Getreide, Raps…), die jungen Triebe einiger Bäume, deren Früchte (z.B. Eicheln und Kastanien) und die Kambiumschicht der Rinde, welche er abschält. Weil sich die männlichen Hirsche zusätzlich noch den Bast (Haut, welche anfangs das jährlich neu wachsende Geweih umgibt) an jungen Zweigen abfegen bzw. später mit dem Geweih an Baumen schlagen, werden sie als Schädlinge im Wald angesehen. Deshalb sind Hirsche nur in bestimmten Waldgebieten erlaubt. Verlassen sie diese Gebiete, werden sie einfach abgeschossen. Sie sind aber in ihren großen revieren recht Standorttreu.Für mich sind diese Zeichen an den Bäumen ein sicheres Zeichen für die Anwesenheit der Hirsche und so freue ich mich darüber. Ich habe hier die frische Schälung eines Astes fotografiert. Die Stellen sind noch hell, also sehr frisch und beim genauen Hinsehen, kann man die Bissspuren erkennen.Auch an der Losung (die Kacke), kann man die Anwesenheit der Hirsche sehen. Hey, seit nicht so zimperlich, sie stinkt nicht so schrecklich, wie die der Zvilisationsbewohner Mensch, Hund und Katze. Sie sieht ähnlich wie die “Köttel” von Ziegen aus – vielleicht ein bisschen größer. Dunkelbraune, abgerundete, glatte, kleine Walzen. Mit etwas Übung kann man daran sogar erkennen, ob es sich um ein männliches oder weibliches Rudel handelt.Wenn ihr mal das große Glück habt und einen Hirsch seht, dann habt keine Angst. Gesunde Tiere greifen den Menschen nicht an. sie haben mehr Angst vor uns, als wir vor ihnen. Am besten bleibt ihr still stehen, denn Unbewegtes erscheint ihnen nicht als Gefahr und wenn sie euch nicht riechen, könnt ihr sie vielleicht eine Weile beobachten.

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