Frühlingserwachen Teil 1. – Die Brennnessel

Schaut mal aus dem Fenster, ist es nicht schön?! der Himmel ist blau, die Sonne strahlt die Berge und die Wälder an. Man könnte denken, der Frühling ist schon da. Dabei ist es noch eisig kalt und morgens sieht man eine feine Decke von Raureif auf den Wiesen. Wenn man es schon Wiesen nennen mag, dieses grau-braune Ödland. Aber nicht so vorschnell! Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass die Natur sehrwohl schon erwacht ist. Ganz klein und zart stecken einige Frühaufsteher ihre Triebe unter dem Laub vom letzten Jahr hervor und Schneeglöckchen, Krokuss und Co kündigen die Farbenpracht des Frühjahrs an.Was man da alles entdecken kann…

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An Wiesenrändern, Waldrändern, in „ungepflegten Gärten“ und auf Brachflächen findet man noch die hellbraunen, manchmal bis mannshohen Stengel der Brennnessel vom letzten Jahr. Es handelt sich hier meist um die Große Brennnessel, die von der kleinen Brennnessel aber kaum zu unterscheiden ist. Eine Unterscheidung ist aber meiner Meinung nach auch nur für Botaniker bzw. Homöopathiker von Bedeutung.  Die Brennnessel ist ein sogenannter Stickstoffanzeiger, d.h. überall wo reichlich und überreichlich Nahrung für die Pflanzen im Boden ist, wächst unter anderem die Brennnessel sehr gern.  Von den meisten Menschen, besonders Gärtnern und Landwirten wird sie als Unkraut bekämpft, weil sie die liebevoll gepflegten und gedüngten Beete und Felder besiedelt, sich durch ihre anspruchslose Natur stark ausbreitet. Auch sensible Spaziergänger finden sie so garnicht angenehm. Sie pickst, hat keine auffälligen bunten Blüten (sondern unscheinbare grüne) und ist ein Bewohner von „Dreckecken“.

Dabei ist sie so wichtig – z.B. als Wohnort und Nahrung einiger Schmetterlingsarten bzw. deren Larven, z.B. Admiral, Distelfalter, Kleiner Fuchs und Tagpfauenauge. Und welcher Nauturfreund freut sich nicht über Schmetterlinge.

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Was meint ihr denn, warum die Brennnessel so pickst? Ganz einfach: Sie muss sich vor Fraßfeinden schützen, denn sie ist sehr lecker. Früher, als es noch nicht so viele Süßigkeiten und Fast food gab, haben auch Menschen sie noch gern gegessen oder sie als Tee getrunken. Selbst dem Nesselgift, der Ameisensäure, konnten sie noch etwas Gutes abgewinnen; das soll nämlich gegen Rheuma helfen.

Das Brennen der Brennnessel kommt von der Ameisensäure (klar: Säure brennt), die sich in kleinen hohlen Haaren auf der ganzen Pflanze (ausgenommen der Wurzel) befindet. Bei Berührung kratzen diese Haare brichr deren Spitze ab und die Pflanze injeziert die Flüssigkeit wie mit einer Spritze unter die Haut, was dann bei Mensch und Tier ein mehr oder weniger lang andauerndes Jucken bzw Brennen verursacht. Man kann sich aber daran gewöhnen. Nach dem ich ein halbes Jahr lang Brennnesseln gepflückt habe, wird meine Haut kaum noch rot, das Brennen ist kaum schmerzhaft und verschwindet innerhalb von Minuten. 

Wenn ich Brennnessel als Salat oder Spinat zubereiten möchte, will ich mich trotzdem nicht picken, da mein Mundraum wesentlich empfindlicher ist, als meine Hände. Das Besondere an den Nesselhaaren ist, dass sie nur einmal brennen. Also wenn ich alle Haare breche, dann entweicht die ganze Ameisensäure nach draußen und kann mich nicht mehr ärgern. Ganz Verwegene können das gleich in der Natur ausprobieren: Reibe ein Blatt der Brennnessel zwischen den Händen, bis es nicht mehr pickst. Danach kannst du einfach essen und den unverwechselbaren Geschmack kennenlernen. Er ist mit einem gewöhnlich Kopfsalatblatt nicht vergleichbar. Er ist intensiv und nussig, trotzdem frisch und leicht. Köstlich, finde ich!

Für einen ganzen Salat ist dieses Verfahren aber zu mühsam. Besser ist da ein Nudelholz oder was euch sonst noch einfällt. Wichtig ist: Alle Nesselhaare müssen brechen. Kochen ist nicht unbedingt notwendig, aber wenn ihr ganz sicher dem Picksen entgehen wollt, dann wird das Erhitzen und Wässern nach dem Schneiden und Reiben bestimmt auch noch das letzte Nesselhaar vernichten. Nach dem Erhitzen schmeckt die Brennnessel wieder ganz anders: erdig und nährend.

 Der Brennnesseltee kann als sanfte Medizin und als Unterstützung zu anderen Therapien genutzt werden. Er wirkt leicht abführend und spült die Nieren durch und kann daher regulierend auf die Verdauung einwirken, bei Gicht oder Rheuma lindernd wirken oder als Fastentee entschlacken. Aber vorsichtig, er ist auch appetitanregend! Außerdem soll er die Milchbildung anregend, weswegen er in Stilltees verwendet wird.>

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